Regionalranking 2006
Regional-Ranking der Initiative Neue Soziale Marktwwirtschaft (INSM) in der FTD, Bericht über Rheinland-Pfalz vom 14. Juni 2007
Stark im Export
VON PHILIP JÜRGENS Das Klackern, das bisweilen auf den Wanderwegen der Südlichen Weinstraße zu hören ist, könnte symbolisch sein für das Bundesland Rheinland- Pfalz. Es ist das Klackern der Nordic-Walking-Stöcke, die sich in die sanft gerundeten Bergpfade zwischen Rhein und Mosel bohren. Längst ist die Moderne eingezogen in das beschauliche Flächenland, das mit Trier und Worms nicht nur zwei der ältesten Städte Deutschlands beheimatet, sondern auch ein jahrhundertealtes Exportgut – den Wein.
Noch immer produzieren rund 15 000 Betriebe in den sechs rheinland- pfälzischen Weinbaugebieten zwei Drittel der gesamten Erntemenge Deutschlands. Der grünliche Riesling und sein kleiner Bruder Müller-Thurgau sind mehr denn je globale Aushängeschilder für deutsche Weinreben und machen die Rheinland-Pfälzer stolz. Doch selbst wenn der Wein das Image und die Landschaft von Rheinland-Pfalz entscheidend prägt, ist sein Anteil an der Ökonomie eher unerheblich. Die gesamte Landwirtschaft macht gerade mal 1,8 Prozent der Bruttowertschöpfung des Landes aus. Das große Geld wird längst in anderen Bereichen verdient: Der gewaltige Chemiestandort in Ludwigshafen etwa sucht weltweit seinesgleichen, denn hier hat BASF seinen Sitz, das größte Industrieunternehmen des Landes. Derartige Dimensionen sind für das südliche Bundesland aber eher untypisch: Rheinland-Pfalz ist vor allem von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt. Nur jeder Zwanzigste arbeitet bei Big Playern wie DaimlerChrysler, Opel, Boehringer Ingelheim oder BASF. „Der entscheidende Faktor für die Wirtschaftskraft ist der Mittelstand“, sagt Wirtschaftsminister Hendrik Hering. Deshalb seien auch die Wirtschaftsförderungs- Instrumente auf die Bedürfnisse des Mittelstands ausgerichtet. Mehr als 98 Prozent der Unternehmen des Landes haben weniger als 50 Mitarbeiter. Zu den Topbranchen zählen Metallerzeugung sowie Maschinen- und Fahrzeugbau.
Einen wahren Gründungsboom erlebte Rheinland-Pfalz Anfang des Jahrzehnts vor allem in den Städten Trier, Kaiserslautern und Mainz. Mit jährlich 53 neuen Unternehmen auf 1000 Einwohner liegt Rheinland- Pfalz bundesweit auf Platz drei. ", Ähnlich positiv sieht es beim Wirtschaftswachstum und den Arbeitslosenzahlen aus", sagt Carsten Seim , (http://www.insm.de/Die_INSM/Das_Team/Das_Team/Carsten_Seim.html) der für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ein Regionalranking (http://www.insm-regionalranking.de) der deutschen Bundesländer erstellt hat. Die Arbeitslosenquote lag mit zuletzt 6,5 Prozent etwa 1,5 Prozentpunkte niedriger als im Mai 2006. Vor allem die Jugendarbeitslosigkeit konnte binnen einem Jahr um ein Drittel auf 14 000 gesenkt werden. Viele Arbeitnehmer profitieren von der Nähe zu anderen Bundesländern und finden Arbeit in Baden-Württemberg, Nordrhein- Westfalen und Hessen. Mehr als 260 000 Menschen pendeln jeden Tag nach Frankreich, Luxemburg oder Belgien.
Nicht nur die Lage mit Anschluss an wichtige Wasserstraßen und Autobahnen kann sich im Vergleich mit anderen Flächenländern sehen lassen, sondern auch die Produktivität: Einzig Baden-Württemberg kann die 60 300 € Bruttowertschöpfung pro Erwerbstätigen im verarbeitenden Gewerbe noch übertreffen. Und auch wenn es die Fußballmannschaften seit 1998 nicht mehr zur deutschen Meisterschaft gebracht haben, lassen die Rheinland-Pfälzer den Rest der Republik zumindest bei der Exportquote hinter sich: Rund 47 Prozent der produzierten Lastwagen, Kunststoffe, Bleche, Genussmittel und chemischen Erzeugnisse werden ins Ausland verkauft.
Jedoch sieht es nicht überall gleich gut aus. "Zwischen den Regionen klaffen gewaltige Unterschiede", sagt INSM-Projektleiter Seim. Die Gebiete zwischen dem Vorzeigelandkreis Mainz-Bingen und der Stadt Pirmasens zeigen eine breite Spanne an Arbeitslosigkeit oder Wirtschaftswachstum. So droht die Bevölkerung in Pirmasens schneller zu veralten als im restlichen Rheinland-Pfalz, die Stadt leistet sich mit drei Staatsdienern für 100 Einwohner doppelt so viele Beamte wie der Durchschnittsdeutsche, und 42,5 Prozent der Arbeitslosen werden als Langzeitfälle eingestuft. Das macht Pirmasens nicht nur zum Schlusslicht in Rheinland- Pfalz, sondern lässt die Stadt auch bundesweit schlecht aussehen. Jetzt will der Wirtschaftsminister Pirmasens zum Weltschuhzentrum ausbauen und damit an den Glanz alter Zeiten anschließen. Seit den 70er- Jahren wurde ein Großteil der ansässigen Schuhfabriken aufgegeben, nur wenige konnten durch Auslagerung der Produktion und Spezialisierung auf Nischen überleben. ", Firmen, die sich im Bereich Schuhe engagieren wollen, werden von uns massiv unterstützt" , sagt Hering. Mainz-Bingen dagegen braucht auch beim Vergleich mit den Topregionen Deutschlands nicht zurückzustehen und punktet vor allem mit hoher Kaufkraft, starker Produktivität und jungen Arbeitnehmern.
Besonders gelitten haben in den vergangenen Jahren jene Regionen, die vom massiven Truppenabzug der Alliierten betroffen waren – 616 militärische Liegenschaften wurden zwischen 1989 und 2005 freigegeben. Zwar ist es der Regierung gelungen, einige Kasernen in Industrie- und Technologieparks umzufunktionieren. "Gerade in ländlichen Gebieten sind die geräumten Basen aber ein Problem", sagt Regierungssprecher Walter Schumacher. Schließlich könne man aus einem Truppenübungsplatz nicht von heute auf morgen einen Kurpark machen.
Um die Ansiedlung neuer Unternehmen kümmert sich die Investitions- und Strukturbank (ISB) in Mainz. Der Dienstleister versteht sich als erster Ansprechpartner für Unternehmen auf der Suche nach einem geeigneten Standort. Die Gesellschaft wirbt mit vereinfachten Antragsverfahren, kurzen Bearbeitungszeiten, Förder- und Strukturprogrammen sowie günstigen Finanzierungskonzepten. Ein wichtiges Instrument ist die Vermarktung des Standorts bei ausländischen Investoren. Der Wirtschaftsminister will eigens für diesen Zweck eine Entwicklungsagentur gründen, die noch im Herbst ihren Dienst aufnehmen soll. Dabei ist es vor allem ein Argument, das zwar abgenutzt klingt, aber dennoch erfolgreich zu sein scheint: "Unser Land liegt im Herzen Europas", sagt Hering."Sicher. Das behaupten viele andere Bundesländer auch", sagt der Minister, "aber bei uns stimmt es wirklich."
Hier finden Sie die Pressemeldung als PDF
